{"id":56,"date":"2019-04-04T13:07:13","date_gmt":"2019-04-04T13:07:13","guid":{"rendered":"http:\/\/verhaltenstherapie-luebeck.de\/?page_id=56"},"modified":"2019-04-14T19:27:26","modified_gmt":"2019-04-14T19:27:26","slug":"essstoerungen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/verhaltenstherapie-luebeck.de\/?page_id=56","title":{"rendered":"Essst\u00f6rungen"},"content":{"rendered":"\n<p>Essen hat in unserer Gesellschaft vielf\u00e4ltige Bedeutungen. Neben der Ern\u00e4hrung als Quelle von Kraft und Energie bereitet Essen uns Genuss, Wohlbefinden und Freude. Zunehmend mehr Menschen erleben Essen aber vielmehr als massive Belastung denn als Wohlgef\u00fchl. Oft f\u00fchren ein ung\u00fcnstiges Ern\u00e4hrungsverhalten und hinderliche Einstellungen dazu, dass das unbeschwerte und freudvolle Essen immer mehr in den Hintergrund gedr\u00e4ngt wird. Das Essen selbst wird zum Problem. Nicht selten versuchen die Betroffenen, durch wiederholtes Di\u00e4thalten Einfluss auf ihr Gewicht und ihre Figur auszu\u00fcben. Doch statt der erhofften Traumfigur erhalten sie einen Teufelskreis aus massiven \u00c4ngsten, Di\u00e4ten, Essanf\u00e4llen und qu\u00e4lenden Selbstwertzweifeln.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Essst\u00f6rungen z\u00e4hlen in den Industriel\u00e4ndern mit zu den h\u00e4ufigsten psychischen Problemen. W\u00e4hrend bei der Magersucht (Anorexia nervosa) rigoros wenig gegessen wird, leiden Menschen mit Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa) unter wiederkehrenden unkontrollierbaren Essanf\u00e4llen. Oft ist der \u00dcbergang zwischen den einzelnen St\u00f6rungen flie\u00dfend und Mischformen in der Praxis sehr h\u00e4ufig. Ebenso sind die unspezifische Ess-Sucht und wiederkehrende Essattacken ohne Gegenregulation (Binge-Eating) von der st\u00e4ndigen Besch\u00e4ftigung mit Essen gepr\u00e4gt. Diese beiden Formen von Essst\u00f6rung f\u00fchren h\u00e4ufig zu starkem \u00dcbergewicht (Adipositas).<\/p>\n\n\n\n<p>Noch immer hat das \u00e4u\u00dfere Erscheinungsbild in unserer Gesellschaft einen enorm gro\u00dfen Stellenwert. Das Aussehen wird dabei mitunter zur wesentlichen wenn nicht sogar alleinigen Quelle des Selbstwertgef\u00fchls. Vor dem Hintergrund der bestehenden Schlankheits- und Sch\u00f6nheitsideale wird der Drang, den vermittelten Idealen zu entsprechen oft extrem qu\u00e4lend. Viele Menschen, insbesondere Frauen besch\u00e4ftigen sich infolgedessen in extremem Ma\u00dfe mit den Themen Essen, Figur und Gewicht. Sie f\u00fchlen sich zu dick und f\u00fcrchten deshalb, abgelehnt und zur\u00fcckgewiesen zu werden. Oftmals ziehen sie sich immer weiter von ihren sozialen Kontakten zur\u00fcck und vereinsamen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bulimie(wissenschaftlich Bulimia nervosa), ist durch wiederkehrende Essanf\u00e4lle gekennzeichnet, bei denen die Betroffenen in kurzer Zeit unkontrolliert gro\u00dfe Mengen an Nahrung zu sich nehmen. In Folge der Hei\u00dfhungeranf\u00e4lle treten meist intensive Gef\u00fchle von Scham und Niedergeschlagenheit auf. Mehr noch, der vorausgegangene Essanfalloder auch die regul\u00e4re Ern\u00e4hrung werden zum Ausl\u00f6ser qu\u00e4lender Angst vor dem Dickwerden. Um die bef\u00fcrchtete Gewichtszunahme zu verhindern, kommt es im Anschluss an Essanf\u00e4lle in der Regel zu kompensatorischen Ma\u00dfnahmen. Die h\u00e4ufigsten Formen der Gegenma\u00dfnahmen sind Erbrechen, Di\u00e4thalten und exzessives Sporttreiben. Aber auch die Einnahme entw\u00e4ssernder oder abf\u00fchrender Medikamente geh\u00f6ren zu den g\u00e4ngigen Strategien, um eine bef\u00fcrchtete Gewichtssteigerung zu verhindern. Besonders das absichtliche Erbrechen wird oftmals als au\u00dferordentlich besch\u00e4mend empfunden. Viele der Betroffenen berichten, nach einer Di\u00e4t unabsichtlich in das bulimische Essverhalten gerutscht zu sein. Der Beginn liegt h\u00e4ufig im fr\u00fchen Erwachsenenalter. Wenngleich die Zahl der Betroffenen stetig steigt, handelt es sich bei den Betroffenen doch meist um Frauen mit Normalgewicht. Bekannt ist, dass 1% der Frauen unter Bulimie leiden. Die Dunkelziffer liegt dabei um einiges h\u00f6her. Bei anhaltender Symptomatik wird das Selbstwertgef\u00fchl zunehmend mehr an Figur und Gewicht gekn\u00fcpft. Da diese in der Regel nicht den \u00fcberh\u00f6hten Erwartungen entsprechen, die Betroffenen sich f\u00fcr ihren unkontrollierten Essstil und die Gegenma\u00dfnahmen zugleich extrem sch\u00e4men ist der massive Verlust des Selbstwertgef\u00fchls eine nat\u00fcrliche Folge. Traurige depressive Zust\u00e4nde \u00fcberlagern das kurzfristige Hochgef\u00fchl \u00fcber den (m\u00f6glichen) Gewichtsverlust. Schon nach kurzer Zeit beginnen die Betroffenen vielf\u00e4ltige negative Gef\u00fchle mit Essen zu bew\u00e4ltigen (\u00c4rger, Traurigkeit, Langeweile u.a.m.). Es wird immer schwerer, sich von der erlernten Funktionalit\u00e4t des Essens zu l\u00f6sen. Ebenso wird die Wahrnehmung der Hunger- und S\u00e4ttigungssignale verlernt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Essst\u00f6rungen bei \u00dcbergewicht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr \u00dcbergewicht (Adipositas) ist in den meisten F\u00e4llen das Essverhalten verantwortlich. H\u00e4ufig berichten die Betroffenen \u00fcber ein reduziertes Ern\u00e4hrungsverhalten, das dennoch keine Gewichtreduktion zur Folge habe. Meist liegen zahlreiche qu\u00e4lende Di\u00e4tversuche hinter einem, die, wenn \u00fcberhaupt, dann oft nur vor\u00fcbergehend zu einer Gewichtsabnahme gef\u00fchrt haben. Schlimmer noch, sobald die strenge Di\u00e4t aufgegeben wird und das Essverhalten sich wieder normalisiert kommt es in vielen F\u00e4llen anschlie\u00dfend zu einer erneuten Gewichtszunahme, die oftmals noch \u00fcber das urspr\u00fcngliche Gewicht hinaus geht. Entt\u00e4uscht und entmutigt \u00fcber die erfolglosen Versuche wird es immer schwerer, an die M\u00f6glichkeit der Ver\u00e4nderung zu glauben. Mehr noch f\u00fchlen sich die Betroffenen extrem niedergeschlagen und sch\u00e4men sich f\u00fcr ihr unkontrolliertes Essverhalten. Das \u00dcbergewicht selbst wird meist von einem intensiven Gef\u00fchl der Scham begleitet. Viele Betroffene berichten, dass es ihnen gro\u00dfe Angst und Anstrengung bereitet, ihren K\u00f6rper in der \u00d6ffentlichkeit zu zeigen. \u00d6ffentliches Essen in Restaurants sowie auf der Stra\u00dfe oder auch sportliche Bet\u00e4tigung werden aus Angst vor negativer Bewertung und Anfeindung durch die Umwelt oft vermieden. In Folge dessen ziehen sich viele \u00fcbergewichtige Menschen bis hin zur sozialen Isolation zur\u00fcck. Sie erleben somit nicht nur einen starken Mangel an Bewegung sondern haben durch die wenigen Freizeitaktivit\u00e4ten au\u00dferhalb der Wohnung oft generell selten Gelegenheiten, etwas zu erleben. Essen im Allgemeinen und Naschen im Besonderen werden h\u00e4ufig zum Tr\u00f6ster in den immer \u00f6fter zunehmenden Phasen tiefer Traurigkeit und des Alleinseins. Auf diese Weise wird es immer schwerer, den Kreislauf ohne fremde Hilfe zu durchbrechen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Behandlung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aufbauend auf einer eingehenden Diagnostik wird von der Therapeutin \/ dem Therapeuten ein individueller Behandlungsplan erstellt. In einem anschlie\u00dfenden therapievorbereitenden Gespr\u00e4ch wird mit Hilfe von anschaulichen Modellen ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die eigenen ausl\u00f6senden und aufrechterhaltenden Bedingungen der Symptomatik vermittelt. Ausgehend davon wird ein pers\u00f6nlich zugeschnittener Therapievorschlag unterbreitet. F\u00fcr die meisten Betroffenen spielt in der Therapie das Thema Ern\u00e4hrung sowie der Umgang mit belastenden Situationen und Emotionen eine sehr wesentliche Rolle. In vielen F\u00e4llen ist es hilfreich, durch gemeinsam eingenommene Mahlzeiten \u00c4ngste vor dem Essen abzubauen, oder auch ein ausgewogenes Ern\u00e4hrungsverhalten zu trainieren. In diesem Kontext bietet sich auch die M\u00f6glichkeit eines Wahrnehmungstrainings f\u00fcr Hunger- und S\u00e4ttigungssignale an. Bei Bedarf kann es \u00fcberdies f\u00f6rderlich sein, theoretische Informationen \u00fcber Ern\u00e4hrung zu gewinnen. M\u00f6chte man in belastend empfundenen Momenten das oft gewohnheitsm\u00e4\u00dfig eingesetzte Verhaltensmuster des Essens zugunsten eines g\u00fcnstigeren Bew\u00e4ltigungsverhaltens eintauschen, muss man die pers\u00f6nlichen Ausl\u00f6ser zun\u00e4chst aufdecken. Im Weiteren werden in der Therapie f\u00fcr die ermittelten Ausl\u00f6ser alternative bew\u00e4ltigende Verhaltensweisen entwickelt und trainiert. F\u00fcr viele Betroffene ist es auch hilfreich, durch K\u00f6rper\u00fcbungen m\u00f6gliche Verzerrungen in der Wahrnehmung des eigenen K\u00f6rpers zu korrigieren. Zur Aufrechterhaltung der erreichten Ver\u00e4nderungen wirkt ferner der Aufbau von Selbstwertgef\u00fchl, k\u00f6rperlicher Bewegung und vermehrter Aktivit\u00e4t nachhaltig unterst\u00fctzend. Die Umsetzung der erarbeiteten Ver\u00e4nderungen in Einstellungen, Verhalten und Erleben im Alltag werden \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum therapeutisch begleitet, so dass ausreichende Gelegenheit zur Festigung besteht.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir wollen also gemeinsam mit Ihnen darauf hinwirken, dass Essen (wieder) zu einem unbeschwerten und freudvollen Erlebnis werden kann, und mit Ihnen zusammen daran arbeiten, dass Sie ein von Ihrer Figur und Gewicht unabh\u00e4ngiges stabiles Selbstwertgef\u00fchl entwickeln k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/verhaltenstherapie-luebeck.de\/?page_id=63\">Essst\u00f6rungen bei \u00dcbergewicht<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/verhaltenstherapie-luebeck.de\/?page_id=66\">Bulimie<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Essen hat in unserer Gesellschaft vielf\u00e4ltige Bedeutungen. Neben der Ern\u00e4hrung als Quelle von Kraft und Energie bereitet Essen uns Genuss, Wohlbefinden und Freude. 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