Therapie von Störungen der sexuellen Funk-tionen und des sexuellen Begehrens

Von sexuellen Funktionsstörungen spricht man bei einem Mangel an sexuellem Verlangen, bei sexuellen Aversionen oder mangelnder sexueller Befriedigung, bei Erektionsstörungen, Orgasmusstörungen, bei frühzeitiger Ejakulation, Vaginismus oder bei Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs.
Bevor mit der Psychotherapie begonnen wird, sollte die Gesundheit der Sexualorgane durch einen Facharzt untersucht werden.
Oft bestehen die sexuellen Schwierigkeiten schon länger. Der Behandlungswunsch wird geweckt, wenn veränderte Umstände die Auseinandersetzung mit sexuellen Fragen dringlich erscheinen lassen. Etwa wenn sexuelle Schwierigkeiten dem Kinderwunsch entgegenstehen, wenn Partnern bewusst wird, dass sie den Anschluss an die erfüllende Sexualität der Anfangszeit als Paar verloren haben, wenn die Suche nach einer Beziehung durch Hilflosigkeit oder Scham wegen sexueller Störungen gehemmt wird oder wenn mit dem Eintreten in eine lang ersehnte feste Beziehung sexuelle Wünsche ausgelöst werden.
Sexuelle Störungen führen zu erheblichem Leid, wenn es in der Folge zu Kränkungen oder zu Streit kommt, oder wenn die Störung irrtümlich als Zeichen mangelnder Liebe, als Schwäche, oder als Zeichen einer insgesamt schlechten Beziehung bewertet wird.
Da die Sexualität im Leben eines Menschen einen besonders geschützten Lebensbereich darstellt, fällt es vielen Menschen schwer, über ihre sexuelle Erfahrungen zu sprechen. Das Fehlen eines unbefangenen Gesprächs über sexuelle Erfahrungen begünstigt jedoch die Entstehung verzerrter Überzeugungen davon, was ‚natürliche‘ und was ‚normale‘ sexuelle Reaktionen sind. Meist fühlt sich einer der Partner besonders verantwortlich für das Problem. Erfahrungsgemäß sind die psychischen Entstehungsbedingungen von Sexualstörungen jedoch sowohl in der Biografie des Betroffenen als auch in der Entwicklung-geschichte des betroffenen Paares zu finden. Die einseitige Zuschreibung der Verantwortung für ein sexuelles Problem und ungeprüfte Überzeugungen über Sexualität tragen viel zur Aufrechterhaltung sexueller Funktionsstörungen bei.
Es kommt in der Psychotherapie sexueller Funktionsstörungen also darauf an, besonders einfühlsam mit den sexuellen Erfahrungen der Betroffenen und ihren sexuellen Wünschen umzugehen. Die Therapie zielt darauf ab, die betroffene Person und das betroffene Paar durch angeleitetes Entdecken und durch gezielte Übungen zur Erweiterung des Erlebnisspielraums anzuregen. Die Verschiedenheit des Begehrens von Sexualpartnern ist dabei weniger als Hindernis, sondern im Gegenteil, als Ausgangspunkt eines spannenden Entwicklungs-prozesses zu sehen.